Der Kunstraub im zweiten Weltkrieg

alte SchriftenNeben den Verbrechen, die im Zweiten Weltkrieg an der Bevölkerung der beteiligten Länder begangen wurden, gab es auch Verbrechen am Eigentum und Kunstschätzen dieser Staaten. Das Deutsche Reich trat hier als Täter, wie auch als Opfer auf. Es wurden sowohl deutsche Kunstwerke von den alliierten Kriegsmächten zerstört, geplündert und geraubt, als auch Kunstwerke in den von den Deutschen besetzten Gebieten, von den Kräften der Wehrmacht vernichtet und geraubt. Auch heute, Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges, gelten noch immer viele Einzelstücke als verschollen.

Die Kunstlandschaft des Deutschen Reiches

Da die Verantwortlichen des Deutschen Reich wussten, dass die Kunstschätze von den Zerstörungen durch die alliierten Mächte nicht verschont bleiben würden, hatte man frühzeitig damit begonnen, besonders wertvolle Kunstgegenstände in Sicherheit zu bringen, indem man sie auslagerte. Es wurden einmalige Museumsstücke und Archivmaterialien, sowie andere Kulturgüter z.B. aus Bibliotheken in Bunker, Klöster und Schlösser oder auch Kliniken verbracht. Somit fanden die Siegermächte mancherorts regelrechte Depots mit Kulturgütern vor. Die Sowjetarmee beispielsweise entdeckte den von Heinrich Schliemann ausgegrabenen und legal aus der Türkei nach Deutschland eingeführten Goldschatz des Priamos. Unzählige andere einmalige Kunstgüter fielen in die Hände der Sieger. Um nur einige zu nennen, sei an dieser Stelle lediglich an die Sammlungen aus den Museen in Potsdam, aus dem Berliner Zeughaus und die historischen Gegenstände von der Wartburg in Thüringen erinnert, ganz zu schweigen von den einzigartigen Gemälden aus Dresden. Die Aufzählung könnte ins uferlose fortgesetzt werden, denn Deutschland war unglaublich reich an historisch bedeutenden Kunstobjekten und wertvollsten Kulturgütern von unwiederbringlicher Kostbarkeit.

Kunst als Kriegsbeute

Alle diese Schätze betrachtete die Sowjetarmee als Kriegsbeute und formierte sogar ein Spezialkommando, das auf Stalins persönlichen Befehl hin unzählige Werke aus dem Nachlass deutscher Komponisten, bildender Künstler und Poeten an sich riss und in die Sowjetunion verschleppte. Nur ein unbedeutender und ganz geringer Teil davon wurde während des Bestehens der DDR an das deutsche Volk zurückgegeben. Nach Schätzungen einer Sonderkommission der deutschen Bundesregierung befinden sich noch Kunstschätze auf dem Territorium der ehemaligen UdSSR, deren Wert in Zahlen niemals erfassbar ist. Dabei handelt es sich beispielsweise um Werke von Goya, Tizian, Rembrandt, van Gogh, Lucas Cranach und Rubens, um nur einige zu nennen. Da einzelne sowjetische Marschälle auch auf eigene Faust Kunstraub begingen und die so erbeuteten Stücke für sich behielten, ist der Verbleib vieler dieser einmaligen Kostbarkeiten unklar. Doch nicht nur der Kunstraub als solcher war schuld an den Verlusten in der deutschen Kulturlandschaft. Einen ebenso großen Anteil daran hatten die Zerstörungen durch die Luftangriffe durch die Alliierten. Es wird angenommen, dass durch die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg circa 1200 Kirchen zerstört wurden, des weiteren wurden Museen, historisch bedeutende Schlösser, Denkmäler, Bibliotheken, Universitäten und Bürgerhäuser in Mitleidenschaft gezogen bzw. vernichtet. Der Zweite Weltkrieg war also für Deutschland nicht nur eine menschliche, sondern ebenfalls beispiellose kulturelle Katastrophe.

Historische Fakten liegen noch im Dunkeln

In diesem Zusammenhang sollte erwähnt werden, dass in der einschlägigen Fachliteratur immer wieder bestätigt wird, dass sich der Umgang der deutschen Truppen mit Kunstschätzen im Allgemeinen an der Haager Konvention orientierte, obwohl von einigen Zeitschriften oft das Gegenteil behauptet wird, was zumeist auch von deutscher Seite kritiklos bestätigt wird. Die wahren geschichtlichen Ereignisse innerhalb dieser Vorgänge festzustellen, wird sicher noch die Aufgabe der nächsten Generation von Historikern sein.

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